Denk mal! Im März 2007...

Echolotung im Ozean

Wenn man die Tiefe des Meeresbodens an irgendeiner Stelle des Ozeans bestimmen will, dann pflegt man eine so genannte Echolotung vorzunehmen. Sie ist nichts anderes als die Urform des Radar-Prinzips. Es werden Schallwellen gegen den Meeresboden hin ausgesandt und die Zeit gemessen, die bis zum Eintreffen eines Echos verstreicht.

    Nun: Die Metaphysiker wollen dem Dasein ebenfalls „auf den Grund kommen". Aber das Dasein ist bodenlos. Und all unser Fragen nach dem letzten Seinsgrund, gerade nach ihm, findet keinen Widerhall im grenzenlosen Ozean des Seins. Aber es kommt alles darauf an, diesen Tatbestand richtig zu deuten und sich zu fragen: Was wäre das denn für ein Absolutes, das so ohne weiteres uns Rede und Antwort stünde? Und was wäre das für eine merkwürdige Unendlichkeit, an deren endlichen Grundmauern sich die Stimme brechen sollte, mit der unsere letzten Fragen hinaus gesandt werden in den unendlichen Seinsraum? Wir wissen: Vom unendlich fernen, unendlich tiefen Grund des Seins her wird uns nur dann keine Antwort zuteil, wenn wir unsere Fragen – richtig adressiert haben. Denn dann bleiben wir gerade deshalb ohne Antwort, weil unsere Fragen – das Unendliche erreicht haben.

    Zu Weihnachten erhielt ich aus der Gemeinde u. a. Grüße versehen mit obigem kleinen Text und dem Wunsch, ihn vielleicht einmal in meiner Arbeit einsetzen zu können. Das möchte ich hiermit gleich tun und gebe ihn als Gruß weiter an Sie, liebe Gemeindeglieder, in die Passions- und Osterzeit hinein. Ich tue es gerne, weil ich mich selbst von Wort und Inhalt sehr angesprochen und berührt fand und nur bedauerte, nicht zuvor schon einmal etwas von seinem Verfasser, Viktor E. Frankl, mitbekommen oder gelesen zu haben.

    Als wohltuend empfinde ich, dass darin aller leichtfertigen Rede von Gott und allem religiösen Geschwätz gegenüber, auch allen Versuchen gegenüber ihn für sich selbst zu vereinnahmen und zu verzwecken, betont wird, wie unzugänglich, unerforschlich, unauslotbar für einen jeden von uns doch Gott in seiner Gottheit ist. Er ist erhaben und enthoben, nicht nur in die Höhe, auch tiefer ist er als tief und sein Name damit eigentlich viel zu groß für Menschenmund. Weder lässt er sich zu einer Talkshow einladen noch kann er je Kumpan für mich sein wie Nachbars Fritz. Das angemessene Verhalten ihm gegenüber ist Ehrfurcht, eben die Einsicht, wie unendlich und absolut unbegreiflich er jenseits meiner eigenen Begrenztheit ist und zugleich das Vertrauen, dass er dennoch ist, für mich ist, auch wenn ich ihn nicht verstehe. Denn meine Fragen in Bezug auf ihn sind ja gerade dann richtig gestellt, wie Frankl meint, wenn sie ohne Antwort, ohne Echo bleiben.

    So kann der Mensch sich vor Gott eigentlich nur bescheiden; er muss es nehmen wie es kommt und wird bestenfalls sein Geschick tapfer bestehen. Dieser Haltung stimme ich aus Erfahrung gerne zu.

    Es interessiert mich aber auch, und es ist mehr als nur ein Interesse, nämlich ein wirklich existenzielles Anliegen, wenn es von hier keinen Weg „auf den Grund" gibt, woher ich als Mensch überhaupt die Annahme eines solchen grundlosen Grundes habe. Dies ist ja nur möglich, wenn dieser zuvor die Unendlichkeit überbrückend dazwischen getreten ist, wenn dieser sich zuvor gezeigt, sich offenbart, geäußert,  gesprochen, sich mitgeteilt, sich geneigt und zugewendet, den Dialog jedenfalls eröffnet oder wie auch immer sein Lot, seine Schnur nach dem Menschen ausgeworfen hat. Und nun möchte ich natürlich gerne den Punkt zu  benennen versuchen, in dem ER auf uns stößt und sich mit uns trifft.

    Hier lässt sich feststellen, dass der christliche Glaube in seinem Kern versucht, den Unendlichen von seiner Menschwerdung und Menschlichkeit her zu denken und zu verstehen. Er gründet sich darin, dass Gott uns in der Person des Jesus von Nazareth, des Christus, begegnet und es durch ihn einen Zugang zum „Vater" gibt. Der Punkt dafür lässt sich noch näher bestimmen: Es ist der Gekreuzigte, in dessen Kreuz Himmel und Erde, Vertikale und Horizontale sich schneiden.

    Er hängt da

    - als unser Schmerz;

    - als unser banges „Warum" und Fragen;

    - als unser Schrei;

    - als unser Bitten und Betteln: „In deine Hände befehle ich

          meinen Geist".

In deine Hände, wo ich nichts mehr halten, anhalten, aufhalten, greifen, begreifen kann, so sehr ich auch möchte; wo mich denn nichts mehr hält, auffängt, sich mir alles Greifbare entzieht und mir entgegnen wird, wo ich denn weniger sein werde als nichts – deine Hände.

In deine Hände meinen Geist, Atem und Odem, der mich beseelte, bewegte, belebte von der Geburt bis zum Tod, der doch nicht mein war, nie und nimmer, sondern von Dir; bei mir von allem Anbeginn, in der Taufe mir letztgültig zugesprochen, - zurück, wo er hingehört, damit er nicht mit mir verderbe. Das Deinige Dir, wo ich nicht mehr mein eigen bin.

In deine Hände befehle, verordne, empfehle ich mich, möchte ich mich hinterlegen, in Verwahrung geben, ob ich nicht doch – ob Du mich nicht doch behalten und aufheben möchtest.

    Es will aber unser Trost sein, dass am Kreuz  Gott selbst hängt, um für uns unseren Tod zu sterben, um unsere Frage nach dem unauslotbaren „Warum" zu stellen, um mit uns zu schreien und um sich im Schmerz mit uns Menschen zu vermählen, um das Bild, das wir uns von ihm machten in Jesus Christus zu erneuern, will sagen: selbst der am Kreuz sterbende, selbst der ohnmächtig erduldende und leidende Mensch ist keineswegs verflucht  – wie die Alten es meinten – sondern von Gott innig geliebt.  Ja gerade dort, wo wir Gott am fernsten wähnen und er unauslotbar für uns ist, ist er doch am nächsten und selbst mit dabei und mitten mit drin.

    Entsprechend berichtet das Evangelium, wie in der Todesstunde Jesu der Vorhang im Tempel zerrissen sei, das Allerheiligste sich also gezeigt habe, der Himmel durch seinen Tod offen steht, das Unendliche erreicht ist.

    Mehr als dieses Echo, mehr als diese Antwort, glaube ich, lässt sich kaum loten. Sie findet dann ihre reichliche Ausschmückung an Ostern in der Botschaft von der Auferstehung – dem Echo am 3. Tag – über das wir uns herzlich freuen sollen.

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