Denk mal! Im September 2019...

„Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Tim. 1,7)

Liebe Gemeinde,

große Herausforderungen stehen ins Haus. „Oh nein“, werden vielleicht einige denken. „Nicht schon wieder so ein Weltuntergangsszenario“. Keine Sorge!

Ich spreche jetzt nicht vom globalen Klimawandel oder vom regionalen Strukturwandel, die uns gedanklich und medial beschäftigen. Ich spreche auch nicht von der Verrohung unserer Sprache, der Vereinsamung vieler Menschen und der sich immer weiter öffnenden Schere der sozialen Ungerechtigkeit, die es zu beklagen gibt. So sehr uns diese Herausforderungen als Gemeinde und als einzelne Christenmenschen natürlich intensiv nachgehen, ich spreche heute von nicht weniger als der Zukunft unserer Gemeinde.

Sinkende Mitgliederzahlen sind schon seit langem prognostiziert. Der demographische Wandel und zurückgehende Kirchensteuereinnahmen, dazu ein sich veränderndes Verteilungssystem mit allen Konsequenzen für die Gemeinde vor Ort, müssen bedacht werden. Wie geht es weiter? Welche Veränderungen sind unausweichlich, welche sinnvoll und welche vielleicht sogar richtungsweisend kreativ?

Eins hat sich seit Beginn der Welt nicht geändert: Veränderungen sind immer mit Schmerzen verbunden. Es ist eine uralte Erfahrung: Loslassen tut weh.

Das wissen wir aus der Trauerarbeit, wenn wir einen lieben Menschen gehen lassen müssen. Das kennen wir auch aus anderen Bereichen, wenn es um unsere Gesundheit und die im Alter oder durch eine Krankheit bedingt nachlassenden Kräfte geht. Oder wenn wir den Wohnort verlassen und vertraute Menschen zurücklassen müssen. Das kann ganz schön wehtun und manchem hat es schon das Herz gebrochen.

Dabei ist – wenn wir es ehrlich betrachten – unser ganzes Leben ein einziges Sich-Verändern. Alles ist im Fluss, sogar unser Körper erneuert seine Zellen in zeitlichen Abständen. Nichts an uns und um uns bleibt, wie es ist. Manchmal geht so eine Veränderung schleichend daher und ich stelle plötzlich mit Erstaunen fest, dass die Buchstaben in meiner Bibel schon wieder kleiner geworden sind.

Zugegeben, das ist nicht über Nacht geschehen, aber es kommt der Zeitpunkt, an dem ich mir eingestehen darf: Ja, du brauchst eine neue Brille. Auch, wenn du dich für diese Dioptrien-Zahl noch viel zu jung fühlst. Es gibt aber auch drastischere Veränderungen. Ich erinnere alle Eltern nur an das Zahnen ihrer Kinder. Schlaflose Nächte, Geschrei und jede Menge Sorgen wechseln sich ab. Dazu kommt noch das ungute Gefühl, nicht wirklich hilfreich sein zu können. Aber dann sind sie doch da: die ersten Zähne. Eine wichtige Veränderung im Leben.

Oder denken Sie an die Pubertät: eine der größten Herausforderungen für Eltern und Jugendliche gleichermaßen. Die Sachlage ist völlig anders als beim Zahnen, aber die Symptome ähneln sich durchaus:

Schlaflose Nächte, Geschrei und jede Menge Sorgen wechseln sich ab. Dazu kommt noch das ungute Gefühl, nicht wirklich hilfreich sein zu können. Aber, Gott sei es gedankt, eines Tages sind sie dann doch groß und eigenständig.

Ich könnte die Liste der Veränderungen im Leben noch fortsetzen und ich bin mir sicher, ihnen fällt dazu eine Menge ein. Sie dürften auf jeden Fall zustimmen, wenn ich behaupte, dass es ohne Veränderungen nicht geht!

Sie gehören untrennbar zu unserem Leben und Wachsen.

Warum dann nicht auch zum Leben unserer Gemeinde?

Und warum tun wir uns damit oft so schwer? Wollen, dass alles so bleibt, wie es schon immer war? Und wie war es eigentlich „immer“?

Vielleicht ist dieses „immer“ auch nur eine schöne Vorstellung in unseren Köpfen, eine runde Phantasie, die Zeugnis von unserer Sehnsucht nach Stabilität im Leben abgibt. „Wenn sich schon alles um uns verändert und wir es nicht anhalten können, dann soll doch bitte wenigstens die Kirche bleiben, wie sie war“, so denken einige. Es ist wahr: Das Wort Gottes bleibt in Ewigkeit.

Aber angesichts des stetig steigenden Drucks ist es die große Herausforderung für die Gemeinde und ihre Leitung, Veränderungsprozesse einzuleiten, ohne die Lebendigkeit zu beschneiden.

Wenn Sie hierzu mit guten und geistbegabten Ideen beitragen können, lassen Sie sich bitte zur Wahl für das nächste Presbyterium aufstellen.

Wir brauchen neue Ideen, um den neuen Ansprüchen mit guten und kreativen Lösungsansätzen begegnen zu können. Angesichts der vielen Probleme in ein ängstliches Jammern zu verfallen, hilft niemandem.

Der Apostel Paulus spricht der jungen Gemeinde zu: „Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“ (2.Tim. 1,7)

Paulus hat Recht. Angst und Furcht sind keine guten Berater. Stattdessen dürfen wir darauf vertrauen, dass uns Kraft, Liebe und Besonnenheit gegeben sind. Diese drei haben auch fast zwei Jahrtausende später nichts an ihrer Strahlkraft eingebüßt. Wir brauchen sie wahrhaftig, wenn wir miteinander Gemeinde gestalten wollen. Dabei erscheint mir die Besonnenheit von ganz besonderem Wert zu sein. Die Besonnenheit erdet unsere Überlegungen, seien sie noch so kraftvoll vorgetragen oder liebevoll begründet, mit der Frage: Ist unser Handeln angemessen? Trägt es? Liegt Gottes Segen auf ihm?

Gerade in schwierigen Zeiten erlebe ich es, dass die Besonnenheit rät: Schlaf noch eine Nacht drüber! Das tut wohl. Dass sie aber auch mahnt: Schlaf nicht zu lange! Nimm dich der Sache an! Mach sie zu deiner Sache! Deine Gemeinde braucht dich!

So schützt uns die Besonnenheit vor gut gemeintem Aktionismus und einem Denken, das nur um sich selbst und mögliche Erfolge kreist.

Ich blicke noch einmal zurück auf unsere  Ausgangslage: Wachsen bedeutet Sich-Verändern.

Ja und es stellt sich insbesondere heute die Frage: Wie können wir es schaffen, die Gemeinde in eine gelingende Zukunft zu leiten?

Wir können es – und das ist unbestreitbar - nur gemeinsam schaffen. Wenn jede und jeder sich mit seinen und ihren Gaben / Fähigkeiten / Ideen / Kompetenzen / Kraft und Liebe und Besonnenheit einbringt und Gott seinen Segen auf uns legt, nur dann hat die Gemeinde eine Zukunft vor sich, in der lebendiges Gemeindeleben bunte Blüten treiben kann. Eine Zukunft, in der sich Menschen gern gemeinsam auf den Weg des Glaubens machen, gestärkt von Gottes Wort und im festen Vertrauen darauf, dass er mitgeht.

Liebe Gemeinde, Gottes Geist will lebendig sein unter uns und unsere Gemeinde hat eine Zukunft. Diese Zukunft sieht vielleicht anders aus, als wir es jetzt denken, aber sie wird von Gott gesegnet sein.

Bleiben Sie unserer Gemeinde treu!
Ihre Pfarrerin Dr. Yvonne Brunk

 

 

 

 

 

 

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