Denk mal! Im März 2026...

Gott erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm.5,8)

Liebe Gemeinde,
mit dem Wort aus dem Römerbrief des Apostel Paulus erinnere ich daran, dass wir uns im Kirchenjahr gerade in der Passionszeit befinden. Schon immer haben die Christinnen und Christen sie als eine Zeit des Fastens und der Reduzierung, auch in der Liturgie, begangen. Und fast 1000 Jahre
gibt es den Brauch, in den 40 Tagen vor Ostern den freien Blick auf den Altarraum und das Kreuz mit einem Tuch zu verbergen. Dieses Fastentuch, das auch Hungertuch oder „Schmachtlappen“ genannt wurde, war zunächst Ausdruck dafür, dass zum körperlichen Fasten auch ein geistliches Fasten trat.
Bald aber wurde es kunstvoll ausgestaltet, mit Ornamenten und Motiven aus dem Leben Jesu und seiner Leidensgeschichte. Auf diese Weise wurde aus dem Tuch eine Bilderbibel für die Menschen, die des Lesens nicht kundig waren.
Martin Luther hat sich kritisch über die Tücher ausgesprochen und sie als „Gaukelwerk“ abgelehnt. Und so sind sie in den evangelischen Kirchen weitgehend in Vergessenheit geraten, bis das katholische Hilfswerk Misereor sie wieder aufgriff, und jährlich neue Hungertücher – auch in den evangelischen
Gemeinden – Grundlage für Andacht und Gebet wurden. So werden auch wir in Kerpen in den Passionsandachten unser altes Hungertuch aus Haiti, das schon lange im Gemeindesaal hängt, genau betrachten. Lesen Sie hierzu bitte die Einladung meiner Kollegin Pfarrerin Koch-Torjuul (S.13).

In den Wochen vor Ostern auf etwas zu verzichten, ist auch für uns Evangelische nicht fremd. Wie die Liturgie Stück für Stück reduziert wird, gestalten viele Christinnen und Christen die Passionszeit als „7 Wochen ohne“, wobei das, worauf sie verzichten wollen, von Jahr zu Jahr variieren kann. Sieben
Wochen ohne Alkohol, Rauchen, Fernsehen oder Smartphone, Süßigkeiten, Auto?

Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es darum geht, einen echten Verzicht zu gestalten. Vielleicht sollen es auch sieben Wochen ohne Stress, Neid oder Angst sein?

Das wäre fein. Wie sieht es bei Ihnen aus?

Wir als Gemeinde müssen uns in der kommenden Zeit ebenfalls einschränken, allerdings geschieht das eher unfreiwillig und aus finanziellen Notwendigkeiten heraus.
Nach den schweren und einschneidenden Beschlüssen zur Einleitung des Entwidmungsprozesses für die Johann-Bugenhagen-Kirche und die Abgabe der Trägerschaft unserer Kita zum 30.7.27 muss sich das Presbyterium weitere Gedanken machen, um den Haushalt für die kommenden Jahre zu
stabilisieren. Und wenn das Sparen an seine Grenzen kommt, lohnt es sich, den Blick zu weiten; die Perspektive zu ändern. Eine gute Idee ist es, am Pilotprojekt der Rheinischen Landeskirche zur Mitgliederbindung teilzunehmen.
Hier geht es darum, einen wertschätzenden Blick auf all diejenigen zu werfen, die zu unserer Kirche gehören, auch wenn sie sich nicht aktiv am Gemeindeleben beteiligen. Über die bisher von uns versandten Briefe zu Geburt, Jubiläen und Geburtstagen hinaus, kommen nun neue Ideen, um mit
der Gemeinde auch via E-Mails in besonderen Lebenssituationen in Kontakt zu treten. Es ist gut, dass in unserer Gemeinde über 2500 Menschen ihren Glauben auch darin solidarisch leben, dass sie Kirchensteuern zahlen und damit die vielfältigen Aktivitäten der Gemeinde unterstützen. In Zeiten, in denen viele andere nur darauf schauen, was ihnen unmittelbar nutzt, leisten sie einen wichtigen Beitrag zum Überleben der Gemeinde vor Ort. 

„Gott erweist seine Liebe zu uns darin , dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren .“ 

Gottes Liebe, von der Paulus spricht, greift richtungsweisend und trostreich in unser Leben ein. Sie ist als Zuspruch ein Geschenk, wie wir es niemals verdienen könnten. Sie befreit von falschen Ansprüchen und ermöglicht zugleich, sich der eigenen Verantwortung zu stellen. Wir alle sind gemeinsam Gemeinde Jesu Christi und stehen in seinem Dienst. Lassen Sie uns miteinander immer wieder neu entdecken, wie gut das tut.

Ich wünsche Ihnen eine intensive Passionszeit und ein herrlich strahlendes Ostern!

Ihre Pfarrerin Dr. Yvonne Brunk